1891 - 2003 Geschichte der Radfahrer-Truppe     

     

                 

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                                                                                                                                              Gründung

 

 

 

 

1887 schlug der Schweizerische Radfahrer-Bund dem Eidgenössischen Militärdepartement vor, seine Mitglieder irgendwie in den militärischen Betrieb zu integrieren. Noch im gleichen Jahr nahmen ein Detachement von  20 Personen des Schweizerischen Radfahrer-Bundes in zivilen Kleidern und mit ihren persönlichen Fahrrädern (teils Hochräder) freiwillig an militärischen Übungen in den Stäben der VI und VII Division als Meldefahrer teil. Und zwar mit befriedigendem Ergebnis, weshalb Oberstdivisionär Hermann Bleuler dem Militärdepartement meldete, der Einsatz der Radfahrer im Militär sei prüfenswert und nützlich.

 

 

     
Ab 1887 machte der eigentliche Gründer der Radfahrer-Truppen, der Chef des Eidgenössischen Generalstab-Büros, Oberstdivisionär Alphons Pfyffer von  Altishofen (1834 - 12.01.1890),  in der 8, Division Einsätze mit militärischen Melde-Radfahrern, Diese Soldaten kamen meist aus dem Schweizerischen Radfahrer-Bund und benutzten ihre privaten Nieder-Fahrräder im Dienst (analog die Pferdetruppe mit ihren eigenen Pferden) und trugen teils ihrer Club-Uniform. Ihr Ordonnanzdienst war jeweils in den Herbstmanövern.

 

1891 schuf die Armee (Bundes-Gesetz vom 19.11.1891) bei der Infanterie eine Fahrrad-Truppe. und zwar im Verbindungs- und Übermittlungs-Dienst, Man kleidete die Radfahrer mit einer besonders zweckmässigen Uniform ein.  Die sehr kleinen Detachemente umfassten jeweils maximal 15 Mann, benutzten weiterhin ihre eigenen Fahrräder..

 


 

 

                                                                                                                                           Einteilung

 

 

Ab 1911 bildete man innerhalb der Infanterie (= grün Truppen) eine eigene Radfahrer-Kompanie mit 900 Angehörigen.

 

1914 rückten bei Beginn des ersten Weltkrieges insgesamt 14 Radfahrerkompanien ein.

 

Ab 1936 erfolgte dann der Wechsel zu den leichten Truppen/Kavallerie (gelbe Truppen) und gleichzeitig wurde die Radfahrer-Rekrutenschule von 22  Tagen auf 13 Wochen erhöht. Die Radfahrer umfassten nun 6 Bataillone (je 3 Kompanien und eine motorisierte Lmg-Kompanie).

 

1949 wurden die Radfahrer den leichten Brigaden und 1962 als Korpstruppen den mechanisierten Divisionen zugeteilt.

 

1962 erfolgte die Abschaffung der Radfahrer-Landwehr-Truppen

 

1965 bekommten die Radfahrer einen eigenen Einsatz-Doktrin. Radfahrerverbände kämpfen grundsätzlich wie Infanterieverbände. .Sie sind vielseitig  verwendbar. Ihre Feuerkraft entspricht annähern derjenigen der Infanterieverbände. Als 1972 die Kavallerie-Einheiten aufgelöst wurden, gab es damals 9 Radfahrer-Bataillone.

 


 

 

 

                                                                                                                                      Uniformen

                                                                                       

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

 

 

 

 

 

 

 

 

               1892                                 1914/18                              1940                             1945                                                                                                        2000                  Rad.Ord.26


 

 

 

      

                                                                                                                                Rekruten-Schulen

 

 

 

 

 

1892 fand die erste Radfahrer-Rekrutenschule in Bern statt, sie dauerte 22 Tage und hatte 215 Teilnehmer (aus 21 Kantonen), die alle ihre privaten Fahrräder mitnehmen mussten. Anschliessend rückten in die Wiederholungskurse jeweils Detachements von maximal 15 Wehrmännern mit ihren eigenen Fahrrädern ein. Ihren Einsatz hatten diese Dienstpflichtigen meistens als Meldefahrer im Verbindungs- und Übermittlungsdienst.

 

 

 

 

 

Die erste selbständige Radfahrer-Rekrutenschule fand während des 1. Weltkrieges (1914/1918) in Liestal statt.

Von 1926 - 1971 waren dann die Radfahrer-Rekrutenschulen in Winterthur in der dortigen Kaserne untergebracht.

 

 

 

 

1972 bis 2001 (Auflösung der Radfahrertruppen) wurde die Radfahrer-Rekrutenschulen auf dem Waffenplatz Drognens bei Romont/FR durchgeführt. .

 


 

 

                                                                                                                               Bewaffnung der Radfahrer

 

 

Ab Einführung der Radfahrer-Einheiten 1892, bekamen die Radfahrer als Waffe einen Revolver Modell 1882 der ab 1893 mit einem grossen Ring (Radfahrer-Revolver) versehen wurde.

 

 

 

1898 bekamen die Radfahrer den Kavalleriekarabiner 1893 (Langgewehr)  und im Jahre 1914 erhielten die Radfahrer-Truppen den  Karabiner 1911. Ab  1937 den Karabiner 31.

 

 

 

Bei der Einführung des Kampfanzuges im Jahre 1964 erhielten die Radfahrer das Sturmgewehr 57 und mit der Abgabe des Tarnanzuges 1993 das Sturmgewehr 90.

 

 

 

 

 

 

Jeder Soldat trug einst noch ein Faschinenmesser, das eine 48cm lange und 3cm breite Klinge (welche sägeartig 26 Querrillen) aufwies und einen 12cm grossen Griff hatte, Das ganze steckte in einem ledernen Etui (mit Gurteinzug) und einer angehängten 50cm langer Metallscheide. Später erhielten die Radfahrer ein Bajonett (Marke SIG), das 37,5cm lang war und eine 24cm lange Scheide in Kunststoffschale besass.

 


 

                                                                                                                               Vorläufer des Militärvelos

 

Um das Jahr 1896  liess die Armee Militärvelos bei der Velofabrik Gustav Adolf Saurer in Arbon bauen (mit Vollgummireifen) und verkaufte diese an interessierte Militär-Radfahrer. Da der Fahrradpreis für dieses "Militärvelo" aber damals für den normalen Bürger relativ hoch war, machte kaum jemand Gebrauch von diesem Angebot und rückte deshalb weiterhin mit dem normalen eigenen Privat-Fahrrad ein.

Deshalb standen weiterhin unterschiedlichste Fahrrad-Marken und -Konstruktionen im militärischen Einsatz., wobei die Velos stark beansprucht wurden.  Es gab immer wieder Pannen und Reparaturen, bei denen das geeignete Werkzeug und Material fehlten. Dies führte zu Störungen im Dienstbetrieb. Das Generalstabsbüro verschaffte sich deshalb aus den umliegenden Ländern Fahrräder verschiedenster Konstruktionen die zu Versuchszwecken an die Radfahrer in den Kursen abgegeben wurden. Die damit gemachten Erfahrungen nutzte die technische Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung zur Entwicklung eines für die Arme tauglichen Fahrrades. Mit dem Anforderungs-Profil wurden dann mehrere Fahrradfabriken in der Schweiz mit der Herstellung des so genannten Ordonnanz-Rades beauftrag.


 

 

                                                                                                                                         Militärvelo MO 05

 

1905 bekamen dann die Radfahrer die ersten Armee-Fahrräder (in schwarzer Farbe). Ab dann bauten die jurassische Firma Condor SA, Courvaifre, sowie die Firmen Schwalbe AG (Gebr. Rüegg) Riedikon/Uster und die Firma Cosmos (B. Schild & Cie. AG), Biel, Velos für die Schweizer Armee (das Modell MO 05). Ab 1946 nahm auch noch die Firma Cäsar, Maschinen-Fabrik, Grenchen, an der Produktion teil. Alle Velos waren mit Wulstreifen, einer Vorderradpneubremse sowie einer Torpedo-Rücktrittbremse und einer schwarzen Glocke aber anfänglich ohne Licht versehen. Zudem mit der Rahmentasche und der Werkzeugtasche samt Werkzeug. Der Gepäckträger war bis zu 80kg belastbar. Technische Daten: 22,5kg Gewicht, 1820mm Länge, 565mm Breite, 1020mm Höhe, 1140mm Radstand, Rahmenhöhe 580mm, Reifen 26 Zoll. (Schlauch und Reifen der Marke Maloya). Antrieb Kette direkt und Freilauf. Insgesamt wurden  von 1905-1988 68614 Velos für die Schweizer Armee produziert. Ab ca. 1975 soll nur noch die Firma Condor SA allein Militärvelo 05 hergestellt haben.


 

                                                                                                                                            Modifikationen

 

 

Um 1910 montierte man vorne am Velorahmen, oberhalb des Vorderrades,  eine von der Firma Decker in Neuchatel fabrizierte Karbidlampe als Beleuchtung..

 

 

1986 versah man das Militärrad mit einem Dynamo mit kombinierter Fahrrad-Lampe (der Firma Phöbius und später Siluma) und einem elektrischen Rücklicht (der Firma Injekta oder Rex).

Es gab zwei Varianten von  Fahrrad-Licht. Anfänglich ein  Lampe mit vernickeltem Lampenring  und  glattem Lampenglas (Phöbius) mit oberem Teil des Dynamos verchromt. Später eine neue Lampe (Siluma) mit geripptem Glas sowie Dynamo in Chrom (mit 2 Spulen für Vorder- und Rücklicht).

 

 

1932 wurde das Militärvelo mit einem runden roten Rücklicht versehen, einem Adax-Katzenauge. Ab 1955 montierte man ein weisses Katzenauge. Erst 1986 wurde das Velo mit einem elektrischen Rück-Licht (Lichtquelle Dynamo, kombiniert mir Vorderrad-Lampe) der Marken Injekta oder Rex versehen.

 

 

Anfänglich hatte das Militärvelo nur vorne eine Stempelbremse und auf dem Hinterrad eine Rücktrittbremse. Ab 1944 wurde dann im Hinterrad nebst dem Rücktritt auch eine Trommelbremse angebracht.

 

 

 Es ab im Laufe der Zeit verschiedene Modelle von Rahmentaschen .in den Farben ocker, grün, grau und schwarz. Anfänglich waren sie rechts-, später dann links-öffnend.

 

 

Die lederne Werkzeugtasche (für das Werkzeug zum Unterhalt und zur Reparatur des Militär-Velos) war bis 1931 links öffnend, nachher hatte sie auf der rechten Seite die Oeffnung

 

Bis ca. 1941 hatten die Velo-Lenker einen Horn- oder Bakelit-Griff. erst nach dem zweiten Weltkrieg wurden dann die schwarzen Kunstst5offgriffe verwendet.

Es gab drei verschiedene Lenker, einer mit einem Winkel etwas über 90 Grad, einer knapp um 90 Grad und die dritte Variante um 70 Grad. Erstere und zweite Variante an Fahrrädern der Firma Cosmos, Die letzte Variante wurde von allen Militärvelo-Fabrikaten gebaut.

 

 

Die Glocke war anfänglich Korps-Material, gehörte nicht direkt zum Velo. Ab 1938 war sie dann direkt Bestandteil vom Velo, hatte anfänglich auf schwarzem Grund ein Schweizerkreuz im Relief. Später wurde das Schweizer-Kreuz eingraviert und noch später ganz  weggelassen.

 

 

Es haben bekanntlich nicht alle Soldaten die gleich gross Körperlänge. Deshalb ist das Fahrrad mit Lenker und Sattel auf eine Körpergrösse von 155cm - 195cm individuell einstellbar. -  Für Leute von Napoleons Körper-Grösse gab es eine Aufsteighilfe, die hinten links auf die Radachse geschraubt wurde.

 

 

Hier noch einige Einzelheiten am Fahrrad MO 05, die auf den Hersteller (Form des Kettenblattes) und auf das Herstellungsjahr (im Velorahmen) hinweisen

Condor                  Cosmos                  Schwalbe                 Cäsar                      Jahrgang

Als einzige Fahrrad-Herstellerin markierte die Firma Schwalbe AG mit einem Stempel verschiedene Anbauteile. Und zwar mit einer stilisierten Schwalbe (z.B. Radnabe vorne, Bordwerkzeug, usw.)

 

 

1988 wurde die Produktion der Fahrräder MO 05 eingestellt. 1989 fabrizierte man für private Zwecke noch eine Spezialserie von 500 Ordonnanzrädern (Nummern 1 - 500, Jahrgang 1989) mit goldfarbenen Rahmennummern und Jahrzahl.



 

 

                                                                                                                                   Militärvelo MO 93

 

1993, 1994 und 1995 wurden insgesamt 5500 Stück neue Militär-Fahrräder des Typs MO 93 (diese lösten das Fahrrad-Modell  MO 05 ab) zu einem Preis von Fr. 2200.- gebaut. Und zwar durch die Firma Condor SA, Courfaivre, sowie durch die Firma Villiger (Villigers Söhne AG), Buttisholz. Das Modell MO 93 wog 23kg, hatte einen 7-Gang Kettenwechsler (Marke Shimano). Fahrradlänge 1820mm, Breite 620mm, Höhe 1040, Radabstand 1116.6mm. Das Velo war in grauer Farbe. Es besass vorne und hinten eine Hydraulikbremse der deutschen Firma Magura. Über dem Vorder- wie auch dem Hinter-Rad hatte es Lastenträger, zudem eine Rahmentasche sowie eine Werkzeugtasche mit Werkzeug. Der Sattelhersteller war die holländische Firma Lepper. Eine Halogen-Lampe war am vorderen Gepäckträgerund montiert und hinten ein elektrisches Rücklicht (der Speichenraddynamo der deutschen Firma FER war am Vorderrad). Die Pedalen hatte Rückstrahler. Die Abgabe der neuen Räder an die Truppe erfolgte 1995.



 

 

                                                                                                                                   Truppeneinteilung

Mit der Armee-Reform 95 schuf man 3 Radfahrer-Regimenter (Nr. 4, 5 und 6). Das Regiment 4 umfasste den westlichen Teil der Schweiz, das Regiment 5 das Mittelland und das Regiment 6 die Ostschweiz. Jedes Regiment hatte 3 Radfahrer-Bataillone (Nr. 1 - 9). Dabei wies ein Radfahrer-Bataillon rund 500 Wehrmänner auf, verteilt auf mehrere Kompanien und ihre Züge.

                                                                    Rdf Regtment 4>             Rdf.Regiment.5>                 Rdf Regiment 6>

                                                                    Batallion Cycliste 1                                Radfahrerbatallion 3                                  Radfahrerbatallion 5

                                                                    Radfahrerbatallion 2                               Radfahrerbatallion 4                                  Radfahrerbatallion 6

                                                                    Radfahrerbatallion 7                               Radfahrerbatallion 8                                  Radfahrerbatallion 9

 

 

 

Ende der neunziger Jahren bekommen die Radfahrer endlich ein eigenes Truppengattungsabzeichen (ein symbolisiertes Speichenrad unter den gekreuzten Gewehren), das sie von den Füsilieren optisch abhob.

 


 

 

 

                                                                                                                                Fahrrad-Kontrollschilder                                                                                                                                     

Von 1905 - 1961 hatten die Militär-Fahrräder grössere, sechs-eckige Kontroll-Schilder mit einer Ziffer (diese entsprach teils der vier letzten Zahlen der Rahmen-Nummer des Velos) und bis 1932 ohne, dann mit einem Buchstaben (A - E)..

 

Ab 1962 - 2001 gab es die kleineren Veloschilder im Ausmass analog der kantonalen Schilder.. Die Ziffer 1001 trugen Schilder von Ordonanz-Velos, die 2001 Velos des übrigen Truppen (Corps-Material).

 

Jedes Militärvelo war nebst dem Fahrrad-Kontrollschild zusätzlich noch mit einem Registrier-Schild versehen, das hinten beim Sattel befestigt war.

 


 

                                                                                                                            Das Ende der Fahrrad-Truppen

Am 1. Mai 2003 beendete als letzter Radfahrer-Verband das Radfahrer-Regiment 5 seine Schlussmanöver mit einem Defilee in Sempach/LU. Dann wurde die gesamte militärische Fahrrad-Truppe aufgelöst und die erst 10 Jahre alten und gut erhaltenen Fahrräder ausgemustert.  



                                                                                          

 

                                                                                                                              Historische Militär-Radfahrer

 

                                                                

Obwohl es seit 2003 offiziell keine militärischen Radfahrer-Einheiten mehr gibt, hat sich aus dem Kreis der ehemaligen Militär-Radfahrer eine Historische Radfahrer-Kompanie gebildet, die absolut identisch und vollständig wie zur Dienstzeit ausgerüstet ist (Uniform, Fahrrad, Bewaffnung)  und ihren Stützpunkt im ehemaligen Zeughaus Aarau hat. Sie führt ausserdienstliche und gesellschaftliche Anlässe durch.

 

 

 

 



 

 

Das war einmal

 

 

                                                             

 



 

 

vom Velosattel auf den Bundesrats-Sessel

 

    

 Einer der höheren ehemaligen Militär-Radfahrer (Major des ehemaligen Radfahrer-Bataillon 5) und heutiger Bundesrat Ueli Maurer

 



 

 

 

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